Europa Geschichte geschrieben – hinter verschlossenen Türen

Diese Frage stellen sich alle: Was versteckt sich hinter dem Tor zum Paradies? Eine metaphysische Frage, wenn man sie ernsthaft angeht. Und wohl keine einfach beantwortbare. Aber vielleicht ist Träumen genau so schön. Oder man kann sich Antworten ausmalen, was dort sein könnte, wo alle hinwollen.

Und man kann darüber philosophieren, wer im Paradies wohl das Sagen hat. Ehrlich gestanden weiss ich es auch nicht so genau – obwohl ich schon seit sechs Jahren dieses Haus leite.

Was ich Ihnen aber mit Sicherheit sagen kann: hinter den Türen unseres «Paradieses» – oder «Il Paradis», wie die Einheimischen diesen Platz auch nennen – tat sich so allerhand. Schon seit Jahrzehnten. Und erstaunlicherweise drang bis heute fast nichts nach Draussen. Also sind die Türen im Paradies eben doch meistens dicht. Beziehungsweise Diskretion ist bisweilen das höchste Gut in unserem Geschäft. Trotzdem tue ich hiermit bewusst das Gegenteil – und lüfte hiermit unser best gehütetes Geheimnis: So hatte nämlich die langjährige Direktorin und Besitzerin des Hauses Paradies, Fräulein Martha Risler (sie legte explizit wert auf diese Anrede und leitete das Haus von 1945 bis 1980), höchsten Besuch in den ausgehenden 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts, von dem aber niemand erfahren sollte. So am Herzen gelegen war ihr diese Inkognito-Gästeschaft, dass sie sogar ihr Haus räumte und die hohen Politiker in Ruhe verhandeln liess.

Hinterzimmer-Politik at its best, würde man dies heute nennen. Glaubt man nämlich Zeitzeugen, so kam es im verschlossenen «Paradies» zur historischen Begegnung dreier Staatsmänner: Konrad Adenauer, Winston Churchill und Robert Schumann. Diese darf man mit Fug und Recht als spätere Gründerväter eines bahnbrechenden überstaatlichen Vertrags bezeichnen, nämlich jenes des gemeinsamen EWR (und damit der heutigen EU). Vordiskutiert wurde das historische Dokument an keinem anderen Ort als bei uns in Ftan. Die umtriebige Fräulein Risler, welche den Ernst der Lage und die Dimensionen umgehend erkannt hatte, zog für diese Zeit in die Villa Maria in Vulpera.

Fräulein Risler zu Ehren wollen wir diesen historischen Moment nochmals aufleben lassen. Und öffnen dafür Tür und Tor: Wir feiern nämlich nicht nur den Geburtstag* unserer weitsichtigen Vorfahrin, der sich just an diesem Tag zum 100. Mal jährt. Sondern wir zelebrieren mit Freunden des Hauses und Gästen aus Nah und Fern auch einen vergnüglichen Tag der offenen Türe. Gleichzeitig lüften wir auch das Geheimnis, was hinter den Kulissen des «Paradies» so alles war und heute noch ist. Kiebitzen ist bewusst erlaubt, sogar erwünscht!

* Herzliche Gratulation, Fräulein Risler – am Sonntag, 6. Juli 2014

Feierliches mit Kuchen, Feuriges vom Grill, Frisches für den Gaumen – und freier Eintritt ins «Paradies» von 10 bis 18 Uhr!