Wetterschmöcker aus dem Paradies

«Sagen Sie mal, liebe Frau Bambach: Wird das Wetter im September, wenn wir bei Ihnen im Paradies zum Herbstwandern weilen werden, wird dann das Wetter wieder besser sein?», fragt mich ein treuer Gast angesichts der verregneten letzten Woche am Telefon.

Ich musste innerlich zuerst leer schlucken, dann auch auf die Zunge beissen. Und schliesslich mussten wir zusammen lachen. Denn ehrlich gesagt habe ich Petrus bei meinem letzten Telefonat wohl vergessen zu fragen, wie das Wetter im Herbst bei uns im Unterengadin denn werden möge. Und Bucheli & Co wissen hier auch nicht Rat. Was also tun?

Zwar sind wir bei uns im Paradies stets auf Draht und unternehmen alles Erdenkliche für unsere Gäste, damit sie einen herrlichen Aufenthalt verbringen werden. Aber das Wetter, das haben wir leider nicht im Griff. Und dem ist auch gut so. Wie sagte mir ein relaxter, älterer Brite kürzlich: «Wissen Sie, es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleider.» Letztlich ist also alles nur Ansichtssache, wenn’s ums Wetter geht. Andernorts – beispielsweise in den Bergen von Oman auf dem Al Jabal Al Akhdar, was soviel wie der Grüne Berg in Arabisch heisst – bedeutet schlechtes Wetter nämlich gutes Wetter. Das hat mir kürzlich ein Kollege berichtet, der dort auf 2000 Metern über Meer in einem Luxus-Hideaway wie dem unsrigen weilte. Denn er kam nicht aus dem Staunen, als dort Full House war – und die Klientel, die primär aus den Arabischen Emiraten stammte, sich förmlich am vermeintlich schlechten, sprich regnerisch-nebligen Wetter ergötzte. Die Menschen aus Dubai, Abu Dhabi oder Katar konnten nicht genug kriegen: von dieser feucht-angenehmen Bergluft. Das hat mir die Augen geöffnet. Natürlich sind wir alle auf Postkartenwetter getrimmt. Und wir Touristiker schüren mit unseren Stets-Heiter-Sonnig-Ansichten auf Websites und anderswo diese Erwartung – oder dieses Vorurteil –, dass das Wetter nur dann gut ist, wenn die Sonne scheint.

Aber wenn wir ehrlich sind, gibt es doch nichts Schöneres, als mal in Ruhe eines der über 2’000 Bücher, die bei uns in der ehrwürdigen Bibliothek ruhen, wieder mal einen Band von Golo Mann, der hier gedichtet hat, oder den «Schellenursli» von Selina Chönz (die im Nachbardorf den Bestseller geboren hat) in die Hand zu nehmen und in einem Zug durchzulesen. Trockenen Fusses, mit freiem Blick auf das dramatisch-verhangene Massiv der Lischanagruppe, drinnen im Trockenen. Oder wie schön ist es doch, bei Tee* und Kuchen vor dem Kamin in unserer Lobbybar zu sitzen und einen Brief auf unserer hauseigenen, stylishen Paradies-Papeterie mit den edlen Sujets von Naomi Baldauf (www.pigeonvoyageur.ch) zu Papier zu bringen. Oder in einem unserer zwei holzbefeurten Hottubs aus Fiberglas unter dem Himmelszelt zu sitzen – die Regentropfen zu zählen, die einem aufs Haupt trommeln und dabei über Gott und die Welt zu sinnieren. Um nachher in unserem Wellnessbereich namens Garten Eden alle anderen Varianten von H2O zu geniessen.

Oder schliesslich mal eine Stunde unserem Chefkoch Gustav Jantscher über die Schultern zu blicken – abzutauchen, in sein Reich und bei einem Küchenapéro mehr über sein Wirken zu erfahren. Und dabei erst noch von allem zu naschen. Da vergisst man die garstige Wetterküche im Nu. Und erkennt: Wegen ein paar Tropfen Regen lassen wir uns im Paradies doch nicht das Vergnügen an der Auszeit nehmen. Im Gegenteil: Bei uns können Sie aus dem Vollen schöpfen, bei jedem Wetter.

* Ein heisser Schluck Paradies daheim in den eigenen vier Wänden gefällig: Dann empfehle ich Ihnen unseren Paradies-Tee mit frischen Kräutern aus Guarda – hand picked von Cornelia Josche (guarda-kraeuter.ch)