Die beste Party meines Lebens

Ich gebe es zu: Ich habe mich verliebt, ins Unterengadin. Und zwar über beide Ohren. Seit sieben Jahren bin ich nun schon Gastgeberin hier im Hotel Paradies in Ftan. In dieser Zeit habe ich auch die kreativen Bewohnerinnen und Bewohner dieser einzigartigen Region kennen und schätzen gelernt.

So ist es denn für mich auch sonnenklar, dass wir im «Paradies» unseren Gästen nur die besten Produkte, welche dieses Tal hergibt, auf dem Präsentierteller servieren, denn der Appetit auf Land und Leute kommt bekanntlich beim Essen…

Und so hat dieser intensive Austausch mit den Menschen aus diesem Tal unterdessen zu unzähligen, gegenseitig beflügelnden Aktionen geführt: beispielsweise mit Bauer Denoth aus Ftan, der uns tagtäglich mit seiner einzigartige Büffelmilch beliefert. Oder gerade aktuell mit der Bio-Bierbrauerei in Tschlin, die diesen Sommer ein spezielles Paradies-Bier für uns herstellt.

Doch nun habe ich mich auf etwas ganz Spezielles eingelassen. Man könnte es sogar ein Experiment nennen: einen Sesseltausch nämlich. Und das geht wie folgt: Im Rahmen des Bündner Agrotourismus-Projekts «Bäuerin wird Hotelière wird Bäuerin» habe ich einen Tag auf dem Bauernhof von Dolores Parolini in Brail angepackt. Im Gegenzug hat uns die Demeter-Bäuerin im «Paradies» an der Rezeption, in der Bar am Zapfhahn sowie in der Küche unter die Arme gegriffen. Diesen Tag auf dem Landgut Prazet, den werde ich nicht so rasch vergessen. Dabei war ich alles andere als sicher, dass ich dies überhaupt wollte. Kennen Sie das Gefühl auch: Sie haben für ein Fest zugesagt und kaum steht es vor der Tür, fehlt plötzlich die Lust, dorthin zu gehen? Ungefähr so war meine Verfassung, kurz vor diesem ominösen Einsatz auf dem Bauernhof. Kaum jedoch hatte ich die Mistgabel in der Hand und brachte den Geissstall auf Vorderfrau, da waren alle Zweifel verflogen. Dolores und ich sind beides Frauen, die hands-on sind. Das hat uns sofort verbunden. Selten habe ich soviel gelacht. Und selten hatte ich so einen Muskelkater am Abend… Dieses Seitenwechsel-Projekt ist Gold wert. Geht es doch darum, gegenseitig Vorurteile abzubauen und die leider oft vernachlässigte Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Hotellerie zu fördern.

Für diese gute Sache fasste ich mir ein Herz und bedauere es keine Sekunde. Ich bin beeindruckt, was Dolores mit ihrem Mann Johann jeden Tag auf ihrem Hof leistet. Ich denke, dass wir beide – Bäuerin und Hotelière, beides Zugezogene notabene – unser kleines Paradies im Engadin gefunden haben. Sie auf einem herrlichen Hof, ich in einem geschichtsträchtigen Hotel. So verschieden unsere tägliche Arbeit auch aussehen mag, unser Anliegen ist dasselbe: Wir wollen das echte, unverfälschte, natürliche Erlebnis wieder ins Zentrum rücken. Das ist der Luxus, den wir hier zu bieten haben. Und garantiert folgen weitere gemeinsame Taten. Dolores und Meike lassen grüssen!

Link zum Idyll von Dolores und Johann Parolini in Brail: Landgut Prazet

Download des Artikels in der Schweiz am Sonntag vom 28. Juni 2015.

(Bilder: Rolf Canal, fotocanal.ch)