Ich bin im Hoch...

Ich gestehe: Wenn es um feine High- und Afternoon Teas geht, schlägt man Herz höher. Da bin ich vorbelastet – déformation professionelle sozusagen.

Aber der Reihe nach: Den besten High Tea – diese geniale englische Erfindung von salzigem und süssem Zvieri – gibt’s in meinen Augen im Mandarin Oriental in Hongkong. Es war im 1993/94, als ich in der britischen Kolonie tätig war, an eine meiner ersten Stellen als frischgebackene Hoteliere. Und jeder Besuch wurde zum High Tea geschleppt. Buchstäblich. Denn es war üppig, was da aufgetragen wurde: herrliche Sandwiches mit Gurke und Lachs, paradiesische Cakes, göttliche Scones – natürlich mit Jam und Clotted Cream. Denn ohne diesen verdickten Streichrahm, den man genüsslich auf die Scones-Hälften aufträgt, geht bei mir gar nichts.

Eigentlich geht meine High-Tea-«Fixierung» sogar auf meine Lehrlingszeit zurück. Schon da zog es mich magisch an die besten Orte, wo Afternoon Tea im «good old british style» serviert wird. Bereits Sissi kannte ihn – und was für eine Kaiserin gut war, das musste für mich, die scheue, angehende Hotelfachfrau nur gut genug sein. Und so schlich ich mich ins weltberühmte Reid’s Palace in Funchal zum legendären Afternoon Tea, in einem hübschen Kleid selbstverständlich. Und genoss, mit sämtlichem Kleingeld, das ich zusammengekramt hatte, diese traumhaften drei Stunden auf der Terrasse dieses tropischen Gartens.

A propos Fashion: Einen richtig coolen High Tea serviert «The Berkeley» in London. Und zwar heisst der «Prêt-à-Portea» – nomen est omen. Stardesigner wie Alexander McQueen, Dolce & Gabbbana oder Lanvin und Co. haben Cakes und Kollektionen für diesen exklusiven High-Tea entworfen, der Chef-Patissier Mourad Khiat interpretiert die Ideen der kreativen Köpfe. Eine coole Show, auf dem Teller oder besser: auf der Etagere. Gestrichene fünf Stunden sassen wir, mein Sohn Anton und ich, beim High Tea auf dem feuerroten Sofa. Mit Clotted Cream, versteht sich.

Talking about that: Auf dem Weg in den Weinkeller, der unweigerlich durch die Küche führt, hält mir kürzlich mein Küchenchef Daniel Stütz ein Schälchen und einen Löffel hin: «Das müssen Sie probieren – ist einfach genial: eine Sternstunde der Käser aus der Chascharia in Ftan!» Sie ahnen es: Er serviert mir eine perfekte Clotted Cream aus hiesiger, unhomogenisierter Milch. Ich bin sprachlos. Seit Jahrzehnten suche ich nach einem Äquivalent in unseren Breitengraden. Im Nu ist sie geboren: die Idee für einen «Paradies High Tea». Dieser wird, stilvoll auf einem Holzbänkli (wie es vor jedem Engadiner Haus steht), präsentiert. Mit Scones aus Gran Alpin, mit Baumcake wie bei den Zuckerbäckern, mit Sandwiches vom einheimischen Saibling. Und natürlich mit Clotted Cream und Jam aus hauseigenen Aronia-Beeren.

Jetzt reservieren: hightea@paradieshotel.ch, Tel. +41 (0)81 861 08 08

Das Beste aus Ftaner Milch – Chascharia Ftan.

Fashion High Tea im «The Berkeley» London

Hochgenuss: High Tea im Mandarin Oriental Hongkong

Sissi hatte Geschmack: High Tea im Reid’s Palace auf Madeira